Wöchentlich fünf neue Luxusvillen: Zersiedelung auf Mallorca nimmt drastisch zu
Auf Mallorca schreitet die Bebauung im ländlichen Raum ungebremst voran. Nach einer aktuellen Studie der Umweltorganisation Terraferida entstehen auf der Insel jede Woche fünf neue Villen mit Swimmingpools und weitläufigen Gärten. Viele der Objekte werden anschließend touristisch vermietet. Die Urbanisierung vollzieht sich großflächig und verstreut – und entzieht sich dadurch weitgehend der öffentlichen Wahrnehmung, erklärt Jaume Adrover von Terraferida.
Das jährliche Tempo der Zersiedelung liegt bei rund 180 Hektar. Das entspricht einem Anstieg von 28 Prozent gegenüber dem Zeitraum 2015 bis 2021. Innerhalb eines Jahrzehnts wurde eine Fläche verbaut, die der Größe der Gemeinde Consell entspricht. Trotz der massiven ökologischen und landschaftlichen Folgen erregt diese Entwicklung kaum öffentliche Aufmerksamkeit.
Diffuse Bebauung als „Metastasierung“ des ländlichen Raums
Mateu Vic, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat, spricht von einer diffus verstreuten Bebauung, die er als „Metastasierung“ des ländlichen Raums bezeichnet. Diese übersteige frühere Zersiedlungsschübe bei Weitem. Viele der Neubauten stehen auf sogenanntem „suelo rústico“ – Flächen, die eigentlich dem Erhalt der Landschaft dienen sollen. Häufig werden die Villen kurzfristig über Plattformen wie Airbnb vermietet.
Im europäischen Vergleich sei eine solche Ausdehnung außergewöhnlich, betont Adrover. Andere Mittelmeerinseln wie Menorca hätten längst striktere Bauvorschriften eingeführt.
Umweltschützer fordern strengere Regulierungen
Umweltorganisationen verlangen nun schärfere Auflagen, um das ökologische Gleichgewicht zu sichern und die unkontrollierte Bebauung zu stoppen. Trotz bisheriger Bemühungen, Normen zu etablieren, bleibt die Umgestaltung des ländlichen Raums ein konfliktreiches Thema. Die Organisation Terraferida kündigte an, sich künftig verstärkt wieder Umwelt- und Raumordnungsfragen zu widmen. In den vergangenen Jahren war sie nach eigenen Angaben aus politischer Ernüchterung weniger aktiv.










