Die mallorquinischen Pferde sind eng mit der Kultur und Geschichte der Insel Mallorca verbunden. Seit Generationen begleiten sie die Menschen auf den landwirtschaftlichen Höfen, insbesondere auf den Anwesen von Familien wie denen von Toni Frau in Sóller. Ursprünglich waren diese robusten Pferde unentbehrliche Helfer bei der Ernte von Oliven und Orangen, deren Früchte hauptsächlich nach Frankreich exportiert wurden. Doch mit der fortschreitenden Mechanisierung der Landwirtschaft und dem Aufstieg des Tourismus veränderte sich die Bedeutung der Pferde. Während Tonis Eltern eine Bäckerei eröffneten, konnte er sich nicht für das Familiengeschäft begeistern und fand seine Berufung in der Pflege und dem Erhalt der mallorquinischen Pferderasse.
Nach seinem Wehrdienst an der nordafrikanischen Küste bei Ceuta, wo er sich um die Pferde des Kommandanten kümmerte, kehrte Toni nach Sóller zurück und widmete sich der fast ausgestorbenen Rasse. Zu Beginn gab es nur zwei Hengste und vier Stuten, da viele Einwohner lieber spanische, arabische oder Traberpferde kauften. Gemeinsam mit Gleichgesinnten wie Pedro Salas gelang es ihm, die Population zu vergrößern. Heute sind 336 Tiere bei der Balearischen Vereinigung zum Schutz der mallorquinischen Pferderasse registriert, von denen über 150 auf Mallorca leben und der Rest auf das Festland oder ins Ausland verkauft wurde. Eine Samenbank sichert zudem die genetische Vielfalt für zukünftige Generationen und schützt vor möglichen Krankheiten oder Epidemien.
Charakteristisch für diese Rasse sind ihr pechschwarzes Fell, höchstens mit einem weißen Punkt auf der Stirn, sowie die Regel, dass Tiere mit weißen Beinen nicht zur Zucht zugelassen werden und kastriert werden. Die Pferde zeichnen sich durch eine muskulöse Brustpartie und eine niedrig angesetzte Schwanzhaltung aus. Sie sind vertrauenswürdig, robust, zugleich elegant und vielseitig einsetzbar – sei es im Sport, bei der Feldarbeit oder als Transportmittel. Ob auf flachem Terrain oder beim Ausritt in die Berge, sie gelten als echte Allrounder.
Auch Tonis Sohn teilt die Leidenschaft seines Vaters für die Pferde und verbringt viel Zeit im Sattel. Aufgrund einer Knieoperation bevorzugt er momentan Kutschfahrten und besitzt eine Sammlung von zwanzig Kutschen, darunter historische Stücke mit bedeutender Provenienz, wie eine vom Erzherzog Ludwig Salvador von Österreich erworbene Kutsche. Der tägliche Umgang mit den Tieren füllt den Großteil von Tonis Tag, von morgens früh bis in den Nachmittag hinein – für ihn sind die Pferde das Zentrum seines Lebens.
Die Erhaltung der mallorquinischen Pferde ist somit nicht nur ein tierliebes Engagement, sondern auch der Erhalt eines Kulturgutes, das eng mit der Identität und Geschichte Mallorcas verbunden ist.