Auf Mallorca gibt es heute etwa 350 Schwarzgeier, eine beeindruckende Steigerung nach 30 Jahren intensiver Schutzarbeit. Diese Population umfasst rund 45 Brutpaare, die jährlich 34 bis 35 Jungvögel großziehen. Die Brutgebiete erstrecken sich von Sóller bis Pollença mit aktuell etwa 80 Nestern. Die Vögel werden mit Ringen und Codes markiert, was eine Identifikation aus der Entfernung mittels Fernglas erlaubt. Zur genaueren Beobachtung werden GPS-Sender eingesetzt, und ein Nest ist über eine Webcam auf YouTube rund um die Uhr einsehbar.
Schwarzgeier bleiben ein Leben lang mit einem Partner zusammen, zeigen jedoch gelegentlich Fremdbefruchtung. Beide Elternteile teilen sich gleichberechtigt die Aufzucht der Jungen, was bei Vögeln ungewöhnlich ist. Das Weibchen legt pro Jahr ein Ei, die Brutzeit beträgt acht Monate, und die Vögel sind erst nach etwa vier Jahren geschlechtsreif. Die Lebenserwartung beträgt bis zu 40 Jahre, in Gefangenschaft sogar noch länger. Die großen Nester mit einem Durchmesser von drei Metern werden auf Pinienbäumen gebaut und sind alle zum Meer ausgerichtet.
Im Observatorium der Stiftung werden verletzte Vögel gepflegt, die in der freien Natur keine Überlebenschance hätten. Diese Vögel unterstützen auch die Bildungsarbeit, wobei beim Füttern äußerste Vorsicht geboten ist, da die Tiere menschliche Annäherung als Bedrohung empfinden und in Stress geraten können, was sogar zum Verlassen des Nestes führt und dadurch den Nachwuchs gefährdet.
Zum Schutz der Schwarzgeier wurden Ausschlusszonen in den Tramuntana-Bergen eingerichtet, die rund vier Prozent des Gebietes ausmachen. Diese Schutzgebiete sollen verhindern, dass Wanderer die Nistplätze stören. Dennoch ist das Problem der unerlaubten Betretung durch Touristen weiterhin präsent, was die Jungvögel gefährdet. Die Aufklärungsarbeit zielt daher auch darauf ab, das Bewusstsein für die Bedeutung des Schutzes zu erhöhen und die Menschen zu einem verantwortungsbewussteren Verhalten zu bewegen. Dabei besteht eine Kooperation mit touristischen Partnern wie TUI, um nachhaltigen Naturschutz zu fördern.