In Palma de Mallorca erlebte die Weihnachtsliturgie ein außergewöhnliches Ereignis. Zum ersten Mal seit über 50 Jahren sang ein Junge das mittelalterliche Sibila-Kantat in der Kathedrale. Die traditionsreiche Aufführung fand am Mittwoch um 23 Uhr während der Matutin statt und wurde von Toni López Dezcallar präsentiert, einem 12-jährigen Mitglied der Escolania dels Vermells.
Der Sibila-Gesang, der ursprünglich männlichen Tonlagen vorbehalten war, wurde mehr als fünf Jahrzehnte lang von Mädchen und Frauen interpretiert. Mit der Entscheidung, die ursprüngliche Tradition wiederherzustellen, setzt die Kathedrale ein kraftvolles Zeichen für die Bewahrung kulturellen Erbes. Die Aufführung gilt als einzigartig und bemerkenswert, da sie eine der ältesten Weihnachtsbräuche der Insel repräsentiert. 2010 wurde die Sibila von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Botschaft und Geschichte des Sibila-Gesangs
Der Sibila-Gesang thematisiert das Ende der Welt und das Jüngste Gericht. Ursprünglich wurde er mit der Eroberung durch König Jaume I. und der Christianisierung der Insel eingeführt. Ein Knabe in weißer Stola trägt den Gesang vor, begleitet von leisem Orgelspiel und der Stille der Zuhörerschaft.
Der Bischof von Mallorca, Sebastià Taltavull, leitete die Veranstaltung und betonte in seiner Predigt die Bedeutung der Traditionen. Der Geistliche hob hervor, dass solche Ereignisse das Bewusstsein für den Ursprung und die Menschlichkeit Jesu stärken. Zudem unterstrich er, wie wichtig es sei, die Schwächsten in der Gesellschaft zu unterstützen.
Lebendige Weihnachtsbräuche auf Mallorca
Mallorca ist für seine vielfältigen Bräuche bekannt, die kulturell prägend und identitätsstiftend wirken. Der Sibila-Gesang gehört zu den markantesten Bestandteilen der Matutin am Heiligabend und zieht viele Menschen in die Kirchen. Diese alte Praktik wurde erst vor kurzem reaktiviert, gewinnt aber nun wieder stark an Popularität.










