Die Insel Mallorca hat in den letzten Jahrzehnten eine erhebliche Veränderung ihrer baulichen Landschaft erfahren, die oft nicht im Einklang mit der natürlichen Umgebung steht. Viele Hotels und Gebäude wurden möglichst dicht gedrängt und mit Blick auf den Profit errichtet, ohne die regionalen Besonderheiten zu berücksichtigen. Der Architekt Mulet kritisiert diesen Ansatz scharf und setzt sich für eine Architektur ein, die sowohl nachhaltig als auch lokal verankert ist.
Mulet selbst lebt in Son Serra de Marina im Norden Mallorcas, einem Gebiet, das bislang vom Überbau verschont geblieben ist, da hier ein Bauverbot für Hotels besteht, um die Natur zu schützen. Seine Arbeiten verbinden moderne Stilelemente, wie den Einfluss des Bauhauses, mit traditionellen mallorquinischen Merkmalen. Insbesondere die Einbindung des Patios als zentrales Gestaltungselement ist ihm wichtig. Dieser Innenhof reguliert das Raumklima, sorgt für Privatsphäre und ist Mittelpunkt des Familienlebens, unabhängig von der Jahreszeit.
Mulet betont, dass er keinen eigenen Stil aufzwänge, sondern jedes Gebäude individuell an die Umgebung und die Bedürfnisse der Bewohner anpasse. Auch Kontraste in Farbe und Stil seien durchaus möglich, solange eine Verbindung zur Umgebung bestehe. Ein Beispiel seiner Arbeit ist das „Edificio Escalera“ am Hafen von Palma, das 2012 im Auftrag der Hafenbehörde neu gestaltet wurde. Ziel war es, den Zugang zum Meer zu verbessern, insbesondere für Fußgänger, und damit den Hafen erlebbarer zu machen. Mulet schuf dort einen Bereich mit einer großen Treppe und einem Panoramafenster, das einen beeindruckenden Blick über das Meer und die Schiffe ermöglicht.
Die aktuelle Bauweise vieler Hotels auf Mallorca bewertet Mulet als katastrophal und zerstörerisch für das authentische Bild der Insel. Die touristische Bautätigkeit während des Baubooms habe wenig Rücksicht auf Nachhaltigkeit und Ästhetik genommen. Er sieht die Notwendigkeit eines Umdenkens und fordert eine Zusammenarbeit, auch mit touristischen Partnern wie TUI, um eine Architektur zu fördern, die im Einklang mit Natur und Tradition steht.