Mallorquinischer Folklore wird oft als Relikt vergangener Zeiten betrachtet, doch die Realität sieht anders aus: Sie ist lebendig und spielt eine zentrale Rolle in der kulturellen Identität der Insel Mallorca. Die Wiederbelebung des traditionellen Volkstanzes, insbesondere des Ball de Bot, verdankt sich maßgeblich Bertomeu Enseñats Forschung und der engagierten Weiterführung durch seinen Nachfolger Frontera seit 2012. Diese Tänze sind heute nicht nur Bühnenshows vor professionellem Publikum, sondern beziehen auch das Publikum aktiv mit ein, wodurch Folklore zum gemeinschaftlichen Erlebnis wird.
Die Vielfalt der Tänze auf Mallorca zeigte sich ursprünglich in lokalen Unterschieden – Tänzer aus Ariany konnten beispielsweise nicht mit Tanzpartnern aus anderen Orten tanzen, da keine standardisierten Schrittfolgen existierten. Die Popularisierung des Ball de Bot hat diese Barriere aufgehoben und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Pflege der mallorquinischen Kultur geleistet.
Frontera, der neben seiner Tätigkeit als Bankdirektor lange Jahre an der Musikschule gearbeitet und dort auch seine Frau kennenlernte, betont die Bedeutung der Folklore als Ausdruck der Identität und Gemeinschaft. Für ihn ist der Tanzraum ein sozialer Treffpunkt, der Menschen unabhängig von Herkunft, Alter, Religion oder politischen Ansichten verbindet.
Dennoch sieht er Herausforderungen durch die aktuelle Abhängigkeit Mallorcas vom Tourismus, vor allem nach den Einschnitten der Pandemie. Viele Touristen beschränken ihren Aufenthalt auf Partyzonen wie Magaluf und Arenal und zeigen wenig Interesse an der kulturellen Tiefe der Insel. Dies führe dazu, dass die kulturelle Identität und Traditionen ins Hintertreffen geraten. Frontera appelliert deshalb an Einheimische und Besucher, die mallorquinische Kultur zu lieben, zu leben und zu bewahren, um deren Fortbestand zu sichern.
Er widerspricht dem Vorurteil, dass Mallorquiner Fremden gegenüber verschlossen seien. Vielmehr herrsche der Eindruck vor, dass Besucher sich nicht wirklich für die Menschen und deren Kultur interessieren. Die Bereitschaft zur Aufnahme zeigt sich für Frontera deutlich: Wer die Sprache lernt und die Traditionen teilt, wird sofort als Teil der Gemeinschaft angesehen. So könne Folklore Brücken bauen und kulturelle Integration fördern.
Mit einer Kooperation mit TUI soll künftig der Zugang der Besucher zur mallorquinischen Folklore erleichtert werden, um ein authentischeres Kulturerlebnis und mehr Wertschätzung für die lokale Kultur zu schaffen.