Ein seltenes marine Lebewesen, der Blaue Drache (Glaucus atlanticus), wurde kürzlich vor der Nordwestküste Mallorcas entdeckt, was sowohl Wissenschaftler als auch die Öffentlichkeit überrascht hat. Dieses kleine, auffällig blau glitzernde Nacktschnecken-Gastropoden-Exemplar wurde von Biologin Gádor Muntaner und Paramotor-Pilot César Canudas bei einer Fahrt vor Mallorca gesichtet. Der Blaue Drache ist im Atlantik und an den Kanarischen Inseln verbreitet, sein Vorkommen im Mittelmeer ist jedoch äußerst selten – dies war erst die erste dokumentierte Sichtung auf den Balearen seit 1705, nachdem die letzte Meldung vom spanischen Festland, genauer aus Alicante, aus dem April 2023 stammt.
Der Blaue Drache misst ungefähr 3 bis 4 Zentimeter und lebt pelagisch, also im offenen Wasser, weder an der Küste noch auf dem Meeresboden. Sein auffälliges blau-silbriges Erscheinungsbild dient als Tarnung: die dunklere Unterseite verschmilzt mit dem Meer, während die hellere Oberseite Sonnenlicht imitiert. Bemerkenswert ist sein Nahrungsspektrum, das überwiegend giftige Organismen wie die portugiesische Galeere (ein giftiges Quallen-ähnliches Lebewesen) und andere Nesseltier-Arten umfasst. Dabei nimmt er deren Nesselzellen auf und speichert deren Gift, um sich selbst zu verteidigen – ein Phänomen, das als Kleptocnidie bezeichnet wird.
Das Gift des Blauen Drachen kann für den Menschen schmerzhafte und potenziell gefährliche Reaktionen hervorrufen, darunter heftige Schmerzen, Brennen, Rötungen, Schwellungen und in schweren Fällen Übelkeit, Atembeschwerden oder allergische Schocks. Nach Kontakt wird empfohlen, die betroffene Stelle nicht mit Essig oder Süßwasser zu spülen, sondern nur mit Salzwasser, eventuell Tentakelreste vorsichtig zu entfernen, kalte Kompressen anzulegen und medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Diese neue Sichtung unterstreicht mögliche Veränderungen im marinen Ökosystem des Mittelmeers, die auf den Klimawandel und veränderte Meeresströmungen zurückzuführen sind. Insbesondere die sogenannte „Tropisierung“ des Mittelmeers lässt wärmeliebende Arten wie den Blauen Drachen ihre Verbreitungsgebiete ausweiten und könnte langfristig ökologische Wechselwirkungen in der Region verändern. Wissenschaftler beobachten diese Entwicklungen genau, um die Auswirkungen auf die Biodiversität und den Schutz der mediterranen Meeresumwelt besser einschätzen zu können.
Zusätzlich hatte die Präsenz des Blauen Drachens an anderen Stränden Spaniens, wie in Guardamar del Segura, im Vorfeld bereits zu Badesperren geführt, um Menschen vor dem potenziell gefährlichen Stich zu warnen. Zwar wurden die Sperren wieder aufgehoben, doch die Vorsicht bleibt angesichts der ungewöhnlichen Verbreitung dieser faszinierenden, aber giftigen Meeresspezies geboten.