Marcial Bardolet, ein auf Mallorca lebender Experte mit deutschen Wurzeln, setzt sich seit Jahren intensiv für den Schutz des Seegrases Posidonia oceanica ein. Seit 2017 leitet er die Abteilung für die Überwachung der Seegraswiesen beim balearischen Umweltministerium und ist Mitglied des „Posidonia Mediterranean Network“. Dieses Netzwerk arbeitet eng mit dem französischen Biodiversitätsbüro zusammen, um den Naturschutz im gesamten Mittelmeergebiet zu stärken.
Die Balearen sind von etwa 650 Quadratkilometern Seegraswiesen umgeben, die eine besondere ökologische Bedeutung haben. Posidonia ist die größte Sandquelle, da die Schalen von Schnecken und Muscheln, die in den Wiesen leben, nach ihrem Ableben zerfallen und den charakteristisch weißen Sand formen. Von März bis Oktober überwacht Bardolets Team täglich die Küstenregionen mit 19 Booten, um zu kontrollieren, dass Yachten und Freizeitschiffe nicht unzulässig ankern. Das Ankern auf Posidonia ist seit 2018 durch ein balearisches Dekret strikt verboten und wird bei Verstößen mit hohen Geldstrafen geahndet.
Um Bootsfahrer zu unterstützen, wurden verschiedenste digitale Hilfsmittel eingeführt, darunter die App „Posidonia GOIB“, die genaue Geodaten der Seegraswiesen bereitstellt und von Charterfirmen sowie Bootsbesitzern gut angenommen wird. Des Weiteren können angehende Ankerplätze auch über Funkkanal 68 erfragt werden. Die Zusammenarbeit mit Charterunternehmen und Bootsbesitzern wird insgesamt als positiv bewertet, insbesondere da illegales Ankern in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist.
Neben dem direkten Ankernstress sind jedoch auch Umweltfaktoren entscheidend für das Gedeihen der Posidonia. Die Mittelmeer-Erwärmung führt an heißen Sommertagen zu Wassertemperaturen von bis zu 28 Grad, was über dem optimalen Bereich von 17 bis 20 Grad liegt und die Seegrasbestände akut gefährdet. Bei anhaltendem Temperaturanstieg wird ein Rückgang der Bestände in den kommenden 30 Jahren erwartet, während die Regeneration mehrere Jahrhunderte benötigen könnte.
Weitere Belastungen entstehen durch verschmutztes Wasser, das die Photosynthesefähigkeit der Pflanzen beeinträchtigt, sowie durch den Druck von Bauvorhaben und touristischer Nutzung, die saubere und klare Strände bevorzugen. Dennoch trägt die Posidonia maßgeblich zur Klarheit und Qualität des Wassers rund um die Balearen bei und schützt die Strände vor Erosion, indem angespülte Seegräser die Küstenlinien stabilisieren.
Zusammenfassend wird das Engagement auf den Balearen als beispielhaft hervorgehoben, da hier ein breites Bewusstsein und eine hohe Bereitschaft zum Schutz dieses einzigartigen Meeresökosystems bestehen. Das Ziel ist klar: Nur mit gesunden Seegraswiesen kann eine intakte Umwelt, sauberes Wasser und eine nachhaltige Tourismusentwicklung gewährleistet werden.