Der ambitionierte Pakt zur Transformation des Tourismussektors auf Mallorca, der die zukünftige wirtschaftliche Ausrichtung der Balearen erfassen sollte, trifft auf erhebliche Kritik. Ursprünglich sollten rund 150 Organisationen aus Politik, Wirtschaft, Umweltschutz, Landwirtschaft, Gewerkschaften und weiteren Bereichen in einem breiten Dialog eingebunden werden, um eine nachhaltige Agenda für eine ganze Generation zu erarbeiten. Auch die allgemeine Öffentlichkeit war über eine spezielle Website zur Mitwirkung eingeladen.
Trotz dieser vielversprechenden Ausgangslage hat sich kaum Greifbares ergeben. Maßnahmen wie Beschränkungen bei der Fahrzeuganzahl wurden zwar vorgeschlagen, doch diese wurden als unzureichend bewertet. Mehrere wichtige Akteure, darunter Umweltverbände wie GOB, soziale Netzwerke wie das European Anti-Poverty and Social Exclusion Network (EAPN) sowie politische Parteien wie Més und Podemos, haben den Pakt verlassen. Sie kritisieren, dass die Methodik des Prozesses intransparent sei und lediglich dazu diene, bereits festgelegte politische Maßnahmen zu legitimieren, die den Zielen der Nachhaltigkeit entgegenstehen.
Beispielsweise wurde vom Parlament im Juli ein Gesetz zur Liberalisierung von Landflächen verabschiedet, das von Umweltaktivisten als gegensätzlich zu den ursprünglichen Zielen des Pakts gesehen wird. Die von OCB eingebrachten mehr als 50 Vorschläge wurden laut Aussagen von Mitgliedern des Verbands vom Regierungsapparat ignoriert. Trotz der Ankündigung von Ministerin Catalina Cabrer, den Dialog mit den ausgetretenen Gruppen wieder aufzunehmen, bleibt Skepsis bestehen. Die abgewanderten Organisationen sehen keine Anzeichen für eine tatsächliche Veränderung der Vorgehensweise oder der politischen Weichenstellung.
Insgesamt spiegelt die Situation ein tiefgreifendes Spannungsfeld zwischen den Zielen einer offenen, inklusiven und nachhaltigen Entwicklung des Tourismus auf Mallorca und den realpolitischen Herausforderungen wider, die den Fortschritt in dieser Hinsicht hemmen. Der Pakt steht an einem Scheideweg, an dem es auf konstruktive Einbindung aller relevanter gesellschaftlicher Akteure ankommt, um nachhaltige Lösungen für die Baleareninsel zu realisieren.