Ibiza, bekannt für seine lebendige Clubszene und traumhaften Strände, steht hinter der touristischen Fassade vor einer ernsten Wohnungsnot. Die starken Mietpreissteigerungen zwingen viele Einheimische und Saisonarbeiter dazu, in beengten Wohnungen zu leben, von den Inseln Menorca und Mallorca zu pendeln oder in provisorischen Siedlungen wie Zeltlagern und Wohnmobilen auf dem Inselgebiet zu hausen. Laut lokalen Behörden lebten im letzten Jahr fast 800 Menschen in solchen Notunterkünften; allein das „Can Rovi 2“-Lager mit etwa 200 Bewohnern wurde kürzlich geräumt.
Die Mietpreise auf Ibiza sind in die Höhe geschossen: Im Juli 2024 erreichten sie mit 33,7 Euro pro Quadratmeter einen Anstieg von 23 % im Vergleich zum Vorjahr, was für eine kleine Wohnung monatliche Kosten von etwa 1.500 Euro bedeutet – mehr als der nationale Mindestlohn Spaniens von 1.381 Euro. Dieser finanzielle Druck führt nicht nur zu einer Wohnungsnot, sondern auch zu Engpässen bei wichtigen Berufsgruppen wie Lehrern und Gesundheitsfachkräften, die sich das Leben auf der Insel zunehmend nicht mehr leisten können.
Viele Beschäftigte, darunter Krankenpflegerinnen wie Maria Jose Tejero oder Lia Romero, müssen sich Wohnungen teilen, um über die Runden zu kommen, wobei die Mietkosten oft doppelt so hoch wie ihr Gehalt sind. Die prekäre Situation wird weiter verschärft durch zunehmende Diskriminierung von Familien mit Kindern auf dem Mietmarkt und die Bevorzugung von Kurzzeitvermietungen an Touristen, die für Vermieter finanziell attraktiver sind. Sozialarbeiter berichten von häufigen Zwangsräumungen zugunsten touristischer Unterkünfte.
Die spanische Regierung hat auf die Wohnungsnot mit einer Verdoppelung des staatlichen Wohnungsbau-Budgets und verschärften Regulierungen gegen illegale Ferienvermietungen reagiert. Auf Ibiza werden Vermieter, die illegal Wohnraum an Touristen vermieten, mit hohen Geldstrafen belegt, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Doch trotz dieser Maßnahmen bleibt die Nachfrage hoch, während das begrenzte Bauland auf der Insel die Preise weiter in die Höhe treibt.
Die Wohnungsnot spiegelt ein größer werdendes Problem in Spanien wider, wo insbesondere in beliebten Küstenregionen und Städten dauerhafter Wohnraum für Einheimische unerschwinglich wird. Proteste und Forderungen nach strengeren Mietkontrollen nehmen zu. Die Situation auf Ibiza verdeutlicht die sozialen Spannungen, die durch Overtourism und unausgewogene Mietmärkte ausgelöst werden und stellt die Inselgemeinschaft vor große Herausforderungen.